Das Licht

Autor: Frey, Andreas
Es hatte die letzten Tage heftig geregnet, was dazu führte, dass das Wasser hier unten, in den Tunneln, kleine Bäche bildete. Ich saß in meiner Nische und schaute dem Wasser zu, wie es vorbeifloss, hinein in einen der alten U-Strab-Tunnel, und in der Dunkelheit verschwand. Das Regenwasser war noch das sauberste Wasser und auch das einzige, das man noch trinken konnte, ohne gleich tot umzufallen, auch wenn man es als unreinen Regen bezeichnen konnte. Die Quellen waren alle vergiftet. Verseucht. Ich konnte mich noch gut an den Tag erinnern, als das geschah. Wir lebten schon einige Jahre hier unten, seit der Krieg angefangen hatte. Aber nicht erst der Krieg hatte uns hier herunter getrieben, nein, es waren auch der Klimawandel und die Veränderung der Natur. Die Sonne brannte mit einer Gewalt hier auf die Erde nieder, dass man sich nicht länger als ein paar Minuten draußen aufhalten konnte, ohne gleich einen Strahlenschaden davonzu- tragen. Die gefährlichen UV-Strahlen würden einem die Netzhaut zerfressen, wenn man keine von diesen Spezialbrillen trüge. Aber es gab nur wenige, die eine solche Brille hatten und auch mutig genug waren, bei Tag an die Oberfläche zu gehen. Deshalb waren wir fast schon zu Nachtmenschen mutiert. Am Tage lebten wir alle hier unten und bei Nacht gingen die Jäger – wie sie sich selbst nannten – nach oben. Es herrschte in diesen Zeiten hier ein reger Tauschhandel, fast wie vor zig Jahrhunderten. Aber Geld und Reichtum nützten einem hier unten, in der Unterwelt Karlsruhes, nichts. Die, die Geld hatten und rechtzeitig fliehen konnten, hatten es getan oder sich beim Feind eingekauft, indem sie dort ihr Geld hingebracht haben, damit dieser weitere Waffen kaufen konnte, mit denen er Jagd auf uns machen und uns abknallen konnte,
dafür hatten sie dann Asyl bekommen und sich so zu Sklaven gemacht. Ich hingegen war frei. Ich hörte ein schnelles Planschen aus einem der Tunnel rasch näher kommen. Ich wusste, das war die kleine Sarah. Sie kam fast jeden Tag zu mir und lauschte meinen Geschichten. Einmal kam ihre 
Mutter aufgeregt durch die Tunnel und rief ihren Namen. 
Damals war die Kleine einfach ausgebüchst und war auch hierher gekommen. Ab und zu brachte die kleine Sarah mir auch etwas mit, das sie gerade auf dem Weg hierher „gefunden“ hatte, wie sie immer sagte. Ihre Mutter hatte mir auch schon ab und an etwas gebracht. Nahrung. Sie hatte gesagt, als Dank dafür, dass ich ihrer Kleinen wieder ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hatte mit meinen Geschichten. Aber ich solle ihr keine großen Hoffnungen machen, hatte sie mich ermahnt. Ich hatte ihr nur Geschichten von einer heilen Welt erzählt. Einer Welt ohne Krieg. Einer Welt, wo alle Völker in Frieden mit einander lebten. Einer Welt, wo man sich nicht in Höhlen verstecken musste, sondern am Tag über Felder und Wiesen laufen konnte und das Gras unter den Füßen spürte und an den Blumen riechen konnte. Einer Welt, wo man dem Gezwitscher der Vögel lauschen konnte und keine Angst haben musste, dass gleich wieder eine Bombe vom Himmel fiel. Einer Welt, in der Karlsruhe eine pulsierende Stadt war. Der kleinen Sarah gefielen meine Geschichten. Ganz besonders gefielen ihr die Geschichten von den Königinnen und Königen mit ihren Palästen in ihren prächtigen Kleidern. Ich habe ihr erzählt, dass es auch hier in Karlsruhe einmal ein Schloss gab. Ein Schloss, wie eine Sonne. Anmutig und zauberhaft. Das Schloss war einst das Zentrum und von dort führten die Straßen wie Strahlen in alle Richtungen. Aber nachdem das alte Gebäude dem Verfall nahe war, wurde es abgerissen und eine ganze Wohnsiedlung hingestellt, denn man brauchte schließlich Platz. Überbevölkerung. Aber jetzt, nach vier Jahren Krieg, war das alles anders. Der Krieg hatte viele Tote gefordert. Vielleicht hätte man den Platz für einen Friedhof nutzen sollen. Für die Opfer des Krieges. Die Männer, die Frauen und Kinder, die bisher in diesem Krieg ihr Leben 
hatten lassen müssen. Und diejenigen von uns, die noch 
übrig waren, litten an allerlei Krankheiten, denn Hygiene wurde in Zeiten des Krieges nicht mehr groß geschrieben. Letztes Frühjahr hatte der Feind dann die ersten Hightech-Bomben abgeworfen. Schlimmer noch als ABC-Waffen. 
Medikamente waren fast kaum noch verfügbar. Hinzu kam der saure Regen. Die kleine Sarah hatte es auch erwischt. Ihr mussten sie das linke Bein abnehmen. Seitdem humpelte sie mit zwei Krücken durch die Katakomben. Wobei humpeln stark untertrieben war, denn sie war fast schneller als manch anderer von uns. Von allen wurde sie gemieden. Aber ich mochte sie. Das Leuchten in ihren Augen strahlte eine Wärme aus, die mir Kraft spendete. Vielleicht müssen wir Krüppel auch einfach zusammenhalten. Mein Körper war übersät mit schwarzen Flecken. Ich glaube, es kam von dieser Bombe, denn kurz danach hat es angefangen. Hier unten lebten zwar auch einige Ärzte, doch die wussten auch nicht, was es sein könnte. Als eine Waffe des Teufels hatten sie die Bombe bezeichnet. Ja, vielleicht stand der Feind mit dem Teufel im Bunde. Vielleicht war auch der Teufel unser Feind und versuchte nach unseren Seelen zu greifen? Die kleine Sarah setzte sich zu mir. Ihre Augen wurden schon ganz groß und sie wartete gespannt darauf, dass ich mit einer meiner Geschichten 
endlich anfing. Und so begann ich alsozu erzählen. „Es war einmal …“ Mit diesen Worten begann ich immer meine Geschichten. „Es war einmal ein junger Mann. Ein netter junger Mann. Ein einsamer junger Mann. Die große Liebe wollte er finden, doch seine Bemühungen waren stets vergebens. Er lebte zuhause bei seinen Eltern. Er war ein guter Sohn. Er half der Mutter im Haus. Er half dem Vater bei der Gartenarbeit. Er war ein Freund, wie man sich ihn nur wünschen konnte. Er gab, wenn er etwas zu geben hatte, um anderen eine Freude zu machen. Selbstlos. Er brachte Menschen zum Lachen.“ „Und trug er auch schöne Kleider?“, wollte Sarah wissen. „Nicht so ungeduldig, junge Dame“, gab ich ihr zurück und lächelte. „Ja, er trug für die damalige Zeit tolle Kleider. Und er trug sie nicht nur, sondern er machte sie auch. In seiner Stube setzte er sich hin und schneiderte die tollsten Kleider. Er wollte einmal berühmt werden wie der Schneider, der dem Kaiser seine neuen Kleider geschneidert hatte. Einmal gefeiert wollte er werden. Und so schneiderte er vor sich hin. Entwarf immer noch tollere Kleider. Eines Nachts hatte er eine Vision. Einen Traum. Er sah sich am Altar stehen. Ganz in Weiß war er gekleidet. Es schien fast, als leuchte er, als das Sonnenlicht durch die hohen Kirchenfenster einfiel und den Altarraum erhellte. Und es erklang die Orgel. Da betrat seine Geliebte die Kirche. Eine Schönheit. Sie hatte von Natur aus schwarzes Haar und passend dazu trug sie ein schwarzes, wehendes Brautkleid. Es schien ganz so, als sei sie von einer zarten Wolke eingehüllt. Ihr strahlendes Lächeln war wie die aufgehende Sonne. Und ihre roten Lippen verführten zum Küssen. Da standen nun die beiden vor dem Altar. Es sah aus wie Tag und Nacht. Wie Yin und Yang. Das Gute und das Böse. Es war eine traumhafte Hochzeit. Und am Ende küsste er die Braut und die Zeit in der Kirche schien stillzustehen. 
Die beiden waren verliebt wie am ersten Tag. Ein Jahr später bekam die Frau ein Kind.“

Plötzlich brach Lärm aus, als eine kleine Gruppe von Jungen durch die Pfützen in den Tunneln umherrannten und Fangen spielten. Das Platschen des Wassers hallte von den Wänden her. Ich unterbrach meine Geschichte und wartete, bis die Kinder vorbeigezogen waren. „Und wie ging es dann weiter?“, wollte die kleine Sarah wissen. Ihre Augen wurden wieder größer. „Die Frau starb, als das Kind gerade mal zwei Jahre alt war. Diesen Verlust hat der Mann nie verkraftet. Er schuftete noch mehr und verschloss sich der Außenwelt. Er wollte allein sein. Allein mit seinem Kind. Er vergötterte sein Kind. Nichts ließ er an sein Kind herankommen. Er wollte doch, dass sein Kind in einer richtigen Familie aufwuchs. Doch die Mutter war bereits verstorben. Er war allein. Als sein Kind älter war, fragte es einmal, wo denn die Mutter sei. Der Mann hatte diesen Moment immer vor Augen. Er hatte Angst davor. Er erklärte dem Kind, dass seine Mutter fort sei. Er beschrieb den Tod der Mutter als eine Art Aufstiegsritual und dass die Mutter jetzt im Himmel wachen würde, damit es ihnen beiden gut ginge.“ „Ist sie ein Engel geworden?“, fragte mich Sarah. „Ja. Ja, da bin ich mir sicher. Das Kind kannte die Mutter nur von Fotos. Fotos, die der Vater in einer Schachtel aufbewahrte. Fotos waren die einzige Erinnerung – außer der wenn auch schwachen Erinnerung, die das Kind im Herzen trug. Doch die Zeit verging und machte auch vor dem Vater des Kindes nicht halt. Und so wurde er immer älter und sein Haupt kahler. Frustriert war er. Er hatte die Liebe seines Lebens gefunden gehabt und sie auch wieder verloren. Nichts wollte er mehr wissen von der Welt. Nichts wollte er mehr wissen von der Liebe – außer der Liebe zu seinem Kind. Man hatte ihm genommen, für was es sich zu leben lohnte. Die wahre Liebe. Das Einzige, was ihn noch am Leben erhielt, war sein eigen Fleisch und Blut. Sein Kind. Er bemühte sich stets, seinem Kind ein guter Vater zu sein. Er wollte sich auch nicht mehr binden. Denn seine Liebe war vergangen. Seine einzige und wahre Liebe war von ihm gegangen und hatte ihn ver-lassen. Er wollte nur noch mit seinem Kind zusammen sein. Seinem Kind die Welt zu Füßen legen. Er wollte, dass auch sein Kind die wahre Liebe eines Tages finde. Dass sein Kind genauso glückliche Momente erlebte, wie sie ihm und seiner Frau einst vergönnt gewesen waren. Und mit der Zeit reifte das Kind heran. Und die Beziehung zwischen Vater und Kind war wie zwischen guten Freunden. Nein – den besten Freunden.“ „Und was geschah mit den beiden?“, unterbrach mich Sarah, als ich gerade in Gedanken versunken war. „Hmm? Was geschah mit den beiden? Nun war das Kind herangewachsen und auch der Vater war schon ins Alter gekommen. Er starb recht jung. Und so war das Kind auf sich alleine 
gestellt. Am Anfang war das Kind traurig und wollte nur noch alleine sein. Selbst die Freunde und die weitläufigen Verwandten wollte es nicht sehen. Es hat eine Zeit gedauert, bis das Kind den Schmerz überwunden hatte. Es hatte viel Zeit, um nachzudenken. Nachzudenken über sein eigenes 
Leben. Wieder und wieder nahm das Kind Fotos aus der Schachtel und betrachtete seine Mutter. Und wieder und wieder nahm das Kind Fotos aus der Schachtel und betrachtete nun auch seinen Vater. Das Kind spürte ihr Lächeln. Das Kind spürte die Wärme. Das Kind spürte sein Herz schneller schlagen. Es zogen ein paar Jahre ins Land, ehe es sich soweit gefasst und den Schmerz überwunden hatte. Auf der einen Seite wünschte es sich auch Kinder, die Freude schenkten und denen man die Welt zu Füßen legen konnte und denen man das zu geben versuchte, was einem selbst verwehrt 
gewesen war. Aber auf der anderen Seite wollte es auch nicht verletzt werden und die Menschen, die es liebte, ver-
lieren und wie durch ein schwarzes Loch in die Tiefe von 
Einsamkeit und Trauer fallen. Andere waren seine Kinder, 
denen es helfen konnte.“ Eine junge Frau kam um die Ecke des Tunnels und auf meine Nische zu. Sarahs Mutter. „Sarah, wo bleibst Du denn?“, ermahnte sie das Kind. Sarah drehte sich um und stand auf. Ihre Mutter kam näher und drückte mir ein kleines Päckchen in die Hand. Dabei schaute sie sich nach allen Seiten um, ob auch niemand etwas gesehen hatte. Es fühlte sich seltsam an. Klein. Etwas rund. „Danke.“ Ein Wort, das wohl in Vergessenheit geraten war. Aber solange es wenigstens noch einer kannte, existierte es noch. Sarahs Mutter lächelte. Mit den Worten „Bis Morgen“ verabschiedete sich Sarah von mir. Winken konnte sie mir leider nicht, da sie in jeder Hand eine Krücke hatte. Aber ihr Lächeln und ihre leuchtenden Augen sagten mehr als Tausend Danke. Nachdem sie sich ein paar Schritte entfernt hatte, packte ich das kleine Päckchen aus, das mir Sarahs Mutter gegeben hatte. Es war ein Viertel von einem Apfel. Ich wusste, dass die Mutter selbst kaum etwas hatte und teilweise lieber hungerte, nur damit sie für ihre kleine Sarah etwas zu essen hatte. Ein Viertel von einem Apfel war daher fast schon ein Festmahl. Ich biss hinein. Er schmeckte nicht sonderlich, aber in Zeiten wie diesen darf man nicht so wählerisch sein. Es ist immerhin Krieg. Als die beiden weit genug im Tunnel verschwunden waren, griff ich in meine Tasche und holte dieses Bild heraus. Eine Frau lächelte mich an. Es wurde mir warm ums Herz. Es war die einzige Erinnerung, die ich an meine Mutter hatte. Das Bild aus der Schachtel. Ich spürte, wie mir eine Träne die Wange herunter lief, als ich die Bilder meiner Eltern betrachtete. Ich hatte der kleinen Sarah nicht erzählt, dass die 
Geschichte eine wahre Geschichte war – dass dies meine 
Geschichte war. Ich spürte, dass das Jahr sich so langsam dem Ende zuneigte, denn die Nächte hier unten in den 
Tunneln und Katakomben wurden zunehmend kühler. Jetzt musste man wieder Tag und Nacht ein Auge auf seine Habe werfen, denn in diesen Zeiten wurde geplündert, was 
das Zeug hielt. Wer mochte schon in dieser Jahreszeit und dann erst recht im Winter ohne Decke schlafen. Die Feuer an den Knotenpunkten der Tunnel erwärmten zwar einen bestimmen Umkreis, aber sie reichten einfach nicht bis in die letzten Plätze. Ich war müde. So etwas wie ein Zeitgefühl gab es hier unten nicht. Ich orientierte mich an der hereinfallenden Helligkeit, die sich durch den schmalen Spalt hierher 
verirrte. Die Öffnung, die nach oben führte, konnte ich nur sehen, wenn ich am Rande meiner Nische zu den Tunneln saß. Aber warum sollte ich mir nicht ein Nickerchen gönnen. Und so legte ich mich auf die Seite und starrte in den dunklen Gang hinein, der sich in der Nähe meiner Nische erstreckte. Ich holte das Bild meiner Eltern nochmals hervor und betrachtete es. Wenn mich meine Eltern so sehen könnten. Wenn sie sähen, was aus mir geworden ist. Wenn sie sähen, wie ich lebte. Wenn sie sähen, wie sich die Zeiten geändert hatten. Wenn sie sähen, dass Krieg den Frieden abgelöst hatte. Ich dachte, sie wachen über mich und beschützen mich. Aber vielleicht sind sie auch so beschäftigt, dass sie anderes zu tun haben – schließlich herrscht Krieg, da werden überall Schutzengel gebraucht. Oder haben sie mich vielleicht vergessen? Ihren eigenen Sohn vergessen? Oder war ich in Ungnade gefallen? Ich schaute nochmals auf das Bild und das Lächeln meiner Mutter. Dann steckte ich das Bild wieder in meine Tasche und schloss die Augen. Lärm ließ mich aufschrecken. Plötzlich stürmten alle nach oben. „Was ist los?“, wollte ich wissen, doch die Massen rannten aufgeregt durch die Tunnel und drängten sich durch die alten Treppenaufgänge und Schächte der Katakomben und der verlassenen U-Strab-Tunnel nach oben, zum alten Marktplatz, an die Oberfläche. Was sollte ich nur tun? Es war ein weiter Weg nach oben – für mich. Wenn Hilfe kam, dann würden sie ja sowieso hier herunterkommen und nach weiteren Menschen suchen. Oder? Ich hörte eine Frauenstimme. Aufgeregt schwamm sie gegen den Strom und verbreitete die Nachricht, die in einem allge-
meinen ohrenbetäubenden Gemurmel unterging. Schlag-
artig bildeten sich Menschentrauben an den Ausgängen der Unterwelt. Sie alle schubsten sich und drückten sich gegenseitig zur Seite, um als erste oben anzukommen. Jetzt wurde ich aber auch neugierig! Die Frau kam in meine Richtung. „Hey, was gibt es denn dort oben“, rief ich ihr entgegen. „Es gibt Essen!“, keuchte sie fast schon außer Atem. Ihre Arme hatte sie vor dem Körper verschränkt und ihre Kleidung war vollgestopft mit Essen. Das Wasser lief mir im Munde zusammen. Sie blieb kurz stehen, zögerte, warf einen Blick auf ihre Beute. Ein kurzer Blick über die Schulter. „Was soll‘s, alter Mann“, sagte sie zu mir und warf mir einen Apfel zu. Meine Hände zitterten, als ich den Apfel in Händen hielt. Es war ein ganzer Apfel. Er roch nach Apfel. Er sah aus wie ein Apfel. Vor lauter Staunen vergaß ich ganz, mich bei der Frau zu bedanken. Erst als sie enttäuscht weiterzog, rief ich ihr ein „Danke“ hinterher. Sie drehte sich kurz um und lächelte mir zu. Schnell versteckte ich den Apfel in meiner Hosentasche. Aber warum bekamen wir jetzt auf einmal Lebensmittel? 
War der Krieg vorbei? Konnte es sein, dass der Krieg vorbei war? Wurden wir gerettet? Da hörte ich auf einmal die 
Menschen panisch rufen. Die Schreie hatten mich aus meinen Gedanken gerissen. Alle stürmten sie zurück in die Kata-
komben und Tunnel – ohne Essen. Geschrei. „Sie greifen an!“, brüllte ein junger Mann, der an mir vorbei tief in den nächsten Tunnel rannte. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Es war eine List. Eine List des Feindes. Es war die List des Teufels. Sie wollten uns herauslocken. Die Erde bebte. 
Ich spürte den Druck. Ich spürte die Hitze. Ich sah das Licht. Das Ende.